Griechisch
„Griechisch“ ist ein verbreiteter Szene-Code, vor allem aus Kontaktanzeigen und dem Paysex-Bereich, für Analverkehr, also das Eindringen in den Anus mit Penis, Finger oder Toy.
Griechisch ist ein umgangssprachlicher Code für Analverkehr. Gemeint ist meist das Eindringen mit dem Penis in den Anus, im weiteren Sinn auch mit Fingern oder Toys. Der Begriff stammt aus der Sprache von Kontaktanzeigen, Swinger-Foren und Sexarbeit. Dort hat sich ein ganzes System aus Länderbezeichnungen etabliert, mit dem sich Vorlieben knapp und diskret benennen lassen. Wer „Griechisch“ liest, weiß in diesen Kreisen sofort, worum es geht. Für Außenstehende klingt es dagegen eher nach Sprachkurs.
Herkunft und Bedeutung
Die Bezeichnung geht auf ein altes Klischee zurück: Das antike Griechenland galt in der europäischen Vorstellung lange als Sinnbild für Sex zwischen Männern und damit, stark vereinfacht, für Analverkehr. Historisch ist das ziemlich verkürzt. Die gesellschaftlichen Regeln der Antike waren komplex und lassen sich nicht mit heutigen Begriffen oder heutigen Vorstellungen von Einvernehmlichkeit gleichsetzen. Geblieben ist trotzdem das Etikett. Es reiht sich ein in eine Reihe ähnlicher Codes, allen voran Französisch für Oralverkehr.
In Anzeigen und Profilen findest du oft Zusätze, die die Rolle genauer festlegen. „Griechisch aktiv“ heißt: Ich dringe ein. „Griechisch passiv“ heißt: Ich werde penetriert. Steht nur „Griechisch“ da, ist meist die passive Variante gemeint, sicher ist das aber nicht. Nachfragen lohnt sich also immer. Mit Anilingus, also dem Lecken des Anus, hat der Begriff nichts zu tun. Dafür gibt es eigene Bezeichnungen. Ein Spezialfall ist Pegging, bei dem eine Frau ihren Partner mit einem Strap-on anal penetriert. Auch das wird in manchen Kreisen unter dem Oberbegriff verbucht.
Worauf es in der Praxis ankommt
Analsex (AV) kann sehr lustvoll sein, verzeiht aber weniger als vaginaler Sex. Der Anus befeuchtet sich nicht selbst, und der Schließmuskel braucht Zeit, um sich zu entspannen. Mit Druck und Ungeduld kommst du hier nicht weit. Bewährt haben sich:
- Viel Gleitflüssigkeit: am besten auf Silikonbasis oder ein dickflüssiges Gel auf Wasserbasis. Großzügig auftragen und zwischendurch nachlegen.
- Langsam aufwärmen: Massage, ein Finger, ein kleiner Analplug. So kann sich der Körper an die Dehnung gewöhnen.
- Die empfangende Person gibt das Tempo vor: Wer penetriert wird, steuert Tiefe und Rhythmus. Einige Stellungen machen das besonders leicht, etwa wenn sie oben sitzt.
- Hygiene ohne Stress: Kurz vorher auf die Toilette gehen und duschen reicht oft schon. Eine Analdusche ist möglich, aber kein Muss.
- Kein Wechsel ohne Reinigung: Vom Anus nie direkt in Vagina oder Mund wechseln, ohne vorher Kondom, Toy oder Hände zu wechseln bzw. zu waschen. Sonst drohen Infektionen.
Schmerz ist hier kein Zeichen, dass es gleich besser wird, sondern ein Stoppsignal. Ein leichtes Druckgefühl ist am Anfang normal, ein stechender Schmerz nicht.
Sicherheit, Konsens und Missverständnisse
Die Schleimhaut im Enddarm ist dünn und verletzt sich leicht. Deshalb ist das Übertragungsrisiko für Geschlechtskrankheiten (STD) wie HIV, Tripper oder Syphilis beim Analverkehr höher als bei vielen anderen Praktiken. Ein Kondom ist hier besonders wichtig, außer in festen Beziehungen, in denen beide getestet sind. Öl-basierte Gleitmittel greifen Latexkondome an, deshalb solltest du sie dafür nicht verwenden.
Genauso wichtig ist Konsens. „Griechisch“ ist keine Selbstverständlichkeit, die automatisch zu einem Date oder einem bestimmten Angebot dazugehört. Ein Ja dazu gilt nur für den Moment und lässt sich jederzeit zurücknehmen. Wenn ihr euch ein klares Stoppwort ausmacht oder vorher ehrlich besprecht, was okay ist und was nicht, nimmt das viel Druck raus. Auch Dirty Talk kann helfen, Wünsche auszusprechen.
Ein verbreitetes Missverständnis: Analsex sei nur etwas für schwule Männer. Tatsächlich ist er quer durch alle Orientierungen beliebt. Bei Menschen mit Penis kann die Prostata stimulieren, bei Menschen mit Vulva wirken über die Beckenbodenmuskulatur indirekt auch tieferliegende Teile der Klitoris mit. Ein zweites Missverständnis lautet, es müsse beim ersten Mal wehtun. Mit Geduld, Entspannung und genug Gleitmittel muss es das nicht.