Griff der Kleopatra
Sextechnik, bei der die Person mit Vagina ihre Beckenbodenmuskeln gezielt anspannt und den Penis oder ein Toy beim Sex rhythmisch umschließt und massiert, oft während das Gegenüber still hält.
Der Griff der Kleopatra ist eine Sextechnik, bei der die Person mit Vagina ihre Beckenbodenmuskulatur gezielt einsetzt. Damit umschließt sie den eindringenden Penis oder ein Toy, drückt ihn rhythmisch und massiert ihn regelrecht von innen. Häufig bleibt das Gegenüber dabei fast regungslos liegen, die ganze Bewegung kommt dann aus der Muskulatur. Bekannt ist die Technik auch als Pompoir, Kabazzah oder „Singapur-Griff“. Von außen sieht man kaum etwas, gespürt wird dafür umso mehr. Mit etwas Geduld und regelmäßigem Training kann sie im Grunde jede:r lernen.
Herkunft: zwischen Legende und Lehrbuch
Der Name soll an die ägyptische Königin Kleopatra VII. erinnern, der man legendäre Verführungskünste nachsagt. Historische Quellen, nach denen ausgerechnet sie diese Technik beherrscht oder erfunden hätte, gibt es allerdings nicht. Die Bezeichnung lebt von einem romantisierten, exotisierenden Bild der „Orientalin“, wie es in Europa vor allem im 19. und 20. Jahrhundert beliebt war. Älter und besser belegt sind Beschreibungen aus Südasien: Das Kamasutra erwähnt eine Haltung, bei der die Frau das Glied mit ihrer Vagina festhält und umklammert. Auch im Tantra und in taoistischen Liebeslehren spielt bewusste Arbeit mit dem Beckenboden eine Rolle.
Die moderne, nüchterne Seite des Griffs kommt aus der Medizin. Der US-Gynäkologe Arnold Kegel entwickelte in den 1940er-Jahren Übungen für den Beckenboden, ursprünglich gegen Inkontinenz nach Geburten. Nebenbei berichteten viele Patientinnen von intensiveren Empfindungen beim Sex. Diese „Kegel-Übungen“ sind bis heute die Grundlage, auf der sich der Griff der Kleopatra aufbaut.
So funktioniert der Griff in der Praxis
Die entscheidenden Muskeln sitzen zwischen Schambein und Steißbein, oft ist dabei vom PC-Muskel die Rede. Du findest sie, wenn du dir vorstellst, den Harnstrahl anzuhalten. Mach das zum Ausprobieren höchstens einmal wirklich auf der Toilette, als Dauerübung ist es ungünstig für die Blase. Danach trainierst du am besten ganz unabhängig vom Sex:
- Grundübung: etwa fünf Sekunden anspannen, fünf Sekunden komplett lösen, zehn Wiederholungen, zwei- bis dreimal am Tag.
- Varianten: schnelles Pulsieren im Wechsel mit langem Halten, oder eine Welle, die vom Scheideneingang nach innen wandert.
- Hilfsmittel: Beckenbodentrainer oder Liebeskugeln geben dir Rückmeldung, ob du die richtigen Muskeln erwischst.
- Im Bett: Stellungen, in denen du oben bist, eignen sich besonders, weil du Tempo und Tiefe selbst bestimmst und dein Gegenüber einfach still halten kann.
- Spiel mit dem Höhepunkt: Kombiniert mit Edging lässt sich die Erregung gezielt hinauszögern und wieder steigern.
Wichtig ist vor allem das Entspannen zwischen den Kontraktionen. Lockerheit gehört genauso zum Training wie Kraft. Viele merken nach einigen Wochen, dass sie nicht nur mehr Kontrolle haben, sondern auch die eigene Lust stärker spüren, etwa rund um den G-Punkt.
Missverständnisse, Kommunikation und Sicherheit
Der Griff ist kein Leistungsnachweis und schon gar kein Beweis dafür, dass eine Vagina „eng genug“ sein müsste. Er ist ein Werkzeug für gemeinsamen Genuss. Ob du ihn einsetzt, entscheidest allein du. Ein häufiges Missverständnis lautet, die Technik diene nur dem Gegenüber. Tatsächlich berichten viele, dass kräftige, gut durchblutete Beckenbodenmuskeln den eigenen Orgasmus intensiver machen.
Wie bei jeder Praxis gilt: Konsens und Kommunikation zuerst. Sagt euch, wie sich der Druck anfühlt, ob er gerade zu viel oder zu wenig ist und wann ihr pausieren wollt. Ein bisschen Dirty Talk kann das Ganze spielerisch begleiten. Ausreichend Gleitflüssigkeit macht es für beide angenehmer. Mit dem Analmuskel lässt sich übrigens ein ähnlicher Effekt beim Analsex erzeugen. Auch hier helfen Geduld, Entspannung und gute Absprache.
Vorsicht bei Schmerzen: Ein dauerhaft verspannter Beckenboden kann Beschwerden beim Sex auslösen. Verkrampfst du dich, tut Penetration weh oder hast du Probleme mit der Blase, ist eine gynäkologische Praxis oder Beckenboden-Physiotherapie die richtige Anlaufstelle. Gesundes Training fühlt sich nach Kraft und Lebendigkeit an, nicht nach Druck oder Schmerz.