Kultur

GNU-Lizenz

Sammelbegriff für die freien Lizenzen der Free Software Foundation, etwa GPL und GFDL, die Nutzung, Veränderung und Weitergabe erlauben, solange die Freiheiten erhalten bleiben (Copyleft).

Die GNU-Lizenz ist der Sammelbegriff für eine Familie freier Lizenzen, die die Free Software Foundation (FSF) im Umfeld des GNU-Projekts von Richard Stallman entwickelt hat. Am bekanntesten sind die GNU General Public License (GPL) für Software und die GNU Free Documentation License (GFDL) für Texte, Handbücher und Nachschlagewerke. Mit Sex hat der Begriff erst einmal nichts zu tun. Trotzdem taucht er in Erotik-Lexika, Foren und Bildarchiven überraschend oft auf, meist im Kleingedruckten unter einem Artikel oder Foto. Hier erfährst du, was dahintersteckt und warum eine Lizenz zwar das Urheberrecht regelt, aber nie das Einverständnis der Menschen ersetzt, die auf einem Bild zu sehen sind.

Herkunft und Grundidee

GNU ist ein rekursives Akronym und steht für „GNU’s Not Unix“. Stallman startete das Projekt 1983 mit dem Ziel, ein komplett freies Betriebssystem zu bauen. Das Gnu, die afrikanische Antilope, ist deshalb das Maskottchen, hat mit der Lizenz aber sonst nichts zu tun. 1989 erschien die erste GPL, 1991 folgte Version 2 und 2007 Version 3. Dazu kamen Varianten wie die LGPL für Programmbibliotheken, die AGPL für Server-Software und im Jahr 2000 die GFDL für Dokumentationen.

Der Kern aller GNU-Lizenzen heißt Copyleft, ein Wortspiel mit „Copyright“. Du darfst ein Werk nutzen, untersuchen, verändern und weitergeben, auch kommerziell. Wenn du aber eine veränderte Fassung verbreitest, muss sie unter derselben Lizenz stehen. Die Freiheit bleibt also ansteckend erhalten und lässt sich nicht nachträglich wegsperren. Die FSF betont dabei gern, dass „frei“ im Sinne von Freiheit gemeint ist, nicht im Sinne von gratis.

Warum der Begriff in Erotik-Lexika auftaucht

Viele frühe Sex-Lexika im Netz haben Inhalte aus der Wikipedia übernommen oder darauf aufgebaut. Die Wikipedia stand anfangs ausschließlich unter der GFDL und wird erst seit 2009 zusätzlich unter Creative Commons (CC BY-SA) lizenziert. Wer Texte von dort übernahm, musste die Lizenz nennen, daher der typische Vermerk „Dieser Artikel steht unter der GNU-Lizenz“. Auch viele Fotos auf Wikimedia Commons, darunter anatomische oder kunsthistorische Aktaufnahmen, tragen solche Hinweise. Wenn du so ein Werk weiterverwenden willst, gilt in der Praxis:

  • Urheber:innen bzw. Autor:innen korrekt nennen.
  • Den Lizenztext mitliefern oder deutlich darauf verlinken.
  • Bearbeitungen wieder unter derselben Lizenz veröffentlichen.
  • Die Lizenz baut auf dem Urheberrecht auf und hebt es nicht auf.
  • Kommerzielle Nutzung ist ausdrücklich erlaubt, solange die Bedingungen eingehalten werden.

Missverständnis Nummer eins: Lizenz ist kein Einverständnis

Der wichtigste Punkt für erotische Inhalte: Eine GNU-Lizenz regelt nur die Rechte der Person, die ein Werk geschaffen hat, also zum Beispiel der Fotografin. Das Recht am eigenen Bild und das Persönlichkeitsrecht der abgebildeten Person berührt sie nicht. Ein frei lizenziertes Aktfoto darfst du also nicht einfach in einen sexuellen Zusammenhang stellen, für Amateurpornografie verwenden oder als Vorlage für einen Deepfake nutzen. Dafür brauchst du den ausdrücklichen Konsens der gezeigten Person. Ohne diese Einwilligung verletzt du in Deutschland unter Umständen das Kunsturhebergesetz oder machst dich sogar nach § 201a StGB strafbar.

Genauso wenig ersetzt eine Lizenz den Jugendschutz. Ob ein Inhalt hinter ein Altersverifikationssystem (AVS) gehört, entscheidet sich nach dem Jugendschutzrecht, nicht nach dem Lizenzvermerk. Wenn du selbst in einer Amateurcommunity Bilder teilst und sie unter eine freie Lizenz stellen willst, überleg dir das gut: Eine einmal erteilte freie Lizenz kannst du für bereits verbreitete Kopien praktisch nicht mehr zurückholen. Für intime Aufnahmen ist das selten eine gute Idee. Sprich im Zweifel offen mit allen Beteiligten, halte Einvernehmlichkeit schriftlich fest (etwa per Model-Release) und hol dir bei Unsicherheit rechtlichen Rat.

Verwandte Begriffe
Darf ich ein Bild unter GNU-Lizenz für erotische Inhalte verwenden?
Urheberrechtlich oft schon, wenn du die Lizenzbedingungen einhältst. Sind darauf Menschen zu sehen, brauchst du für einen sexuellen Zusammenhang aber zusätzlich deren ausdrückliche Einwilligung, denn die Lizenz deckt das Recht am eigenen Bild nicht ab.
Ist „GNU-Lizenz“ dasselbe wie gemeinfrei?
Nein. Gemeinfreie Werke unterliegen keinem Urheberrecht mehr. GNU-Lizenzen beruhen dagegen auf dem Urheberrecht und knüpfen die Nutzung an Bedingungen wie Namensnennung und Weitergabe unter gleicher Lizenz.
Darf GPL-lizenzierte Software kommerziell genutzt werden?
Ja, auch der Verkauf ist erlaubt. Wer veränderte Versionen weitergibt, muss den Quellcode aber unter derselben Lizenz zugänglich machen.