Das Wachs hatte genau die Temperatur von Haut, als er sie zum ersten Mal bat, die Hand stillzuhalten.
„Genau so. Nicht bewegen.“ Ben stand so dicht hinter ihr, dass Ilka seinen Atem an der Schulter spürte. Er roch nach Kälte, nach Novemberluft und nach dem schwarzen Kaffee, den sie ihm vor drei Stunden gekocht hatte. Das Objektiv schwebte eine Handbreit über ihren Fingern. Aus dem kleinen Tonkännchen lief ein dünner goldener Faden flüssigen Sojawachses in ihre offene Handfläche, sammelte sich dort und glänzte im Licht der Arbeitslampe wie Honig. „Bleib so. Du bist perfekt.“
Er meinte die Hand. Das war ihr klar. Trotzdem lief ihr ein warmer Schauer den Rücken hinunter, der mit dem Wachs nichts zu tun hatte.
Zweiundvierzig Grad
Die Manufaktur lag im Erdgeschoss eines alten Salzspeichers an der Ilmenau. Backsteinwände, ein Gewölbe, das jeden Schritt zurückwarf, und ein gusseiserner Ofen, den Ilka vom Vorbesitzer übernommen hatte und um keinen Preis hergeben würde. Draußen klebte der erste nasse Schnee an den Sprossenfenstern. Drinnen brannten an die vierzig Kerzen, alle aus eigener Herstellung, weil Ben gesagt hatte, er wolle „kein Studiolicht, sondern das, was du machst“.
Seit einem Monat schrieben sie sich wegen des Katalogs für ihre neue Linie: Massagekerzen aus Soja und Sheabutter, Schmelzpunkt zweiundvierzig Grad, Duft nach Vetiver und schwarzem Pfeffer. Zuerst waren es nur Mails gewesen, dann Sprachnachrichten. In einer davon hatte er gefragt, ob sie wisse, wie ihre Stimme klinge, wenn sie über Wachs rede. Sie hatte zwei Tage gebraucht, um darauf nicht zu antworten.
Jetzt war er da. Ein Meter neunzig, Hände voller Silberringe, ein Lachen, das zuerst in den Augen ankam. Und er fotografierte seit drei Stunden ihre Hände, ihre Unterarme, die Innenseite ihres Handgelenks, als hätte er nie etwas Schöneres vor der Linse gehabt.
„Darf ich was fragen?“ Er ließ die Kamera sinken. „Wie fühlt sich das an? Ich fotografiere das die ganze Zeit und hab keine Ahnung.“
Ilka schloss die Hand langsam um das warme, weiche Wachs. „Wie ein Bad, das genau richtig ist. Nur an einer einzigen Stelle.“
„Das ist eine sehr gute Antwort für einen Werbetext.“
„Das ist keine Werbung.“ Sie sah ihn an. „Willst du’s wissen?“
Er schob den Ärmel seines Pullovers hoch, ohne zu überlegen. Der Unterarm war kräftig, mit feinen dunklen Haaren und einer Vene, die über das Handgelenk lief. Ilka nahm eine frische Kerze vom Regal, eine mit breitem Rand und kleiner Ausgießlippe, und hielt sie über die Flamme einer anderen, bis sich ein See gebildet hatte. Dann tropfte sie sich, wie immer, zuerst selbst etwas auf die Innenseite des Handgelenks. Prüfen, bevor man anderen etwas zumutet. Das hatte ihr ihre Großmutter beigebracht, die auch schon Kerzen gezogen hatte, wenn auch aus ganz anderen Gründen.
„Aus der Höhe ist es wärmer“, sagte sie. „Von weiter oben kühlt es auf dem Weg ab. Sag mir, wenn’s zu viel ist.“
„Ich glaub nicht, dass ich das sagen werde.“
„Sag’s trotzdem. Das ist die Abmachung.“
Er nickte, und etwas in seinem Gesicht wurde ernster und weicher zugleich. „Abgemacht.“
Der erste Tropfen fiel aus zwanzig Zentimetern Höhe auf seine Haut. Ben zog scharf die Luft ein, nicht vor Schmerz, eher vor Überraschung, und dann atmete er langsam aus. Ilka ließ einen zweiten folgen, einen dritten, eine dünne Linie vom Handgelenk zur Armbeuge. Das Wachs zog sich zusammen, wurde matt und blieb als goldene Spur auf ihm liegen.
„Scheiße“, murmelte er. „Das ist …“
„Was?“
„Intimer, als es aussieht.“
Sie stellte die Kerze ab und strich mit dem Daumen über die noch warme Spur. Wachs und Sheabutter schmolzen unter ihrer Berührung zu Öl, sie massierte es in seine Haut, in langen Kreisen, und spürte, wie sein Puls unter ihren Fingern schneller wurde. Keiner von beiden sagte etwas. Die Kerzen knisterten. Draußen fuhr ein Auto über das nasse Kopfsteinpflaster und war wieder weg.
„Ilka.“ Seine Stimme war tiefer geworden. „Wenn ich jetzt frage, ob wir das an mehr Haut ausprobieren können, und das ist zu viel, dann sag’s einfach, und ich pack die Kamera ein und wir tun so, als …“
„Zieh den Pullover aus.“
Goldene Linien
Er zog ihn über den Kopf, und das T-Shirt gleich mit. Sein Oberkörper war nicht der eines Models, sondern der eines Mannes, der Stative schleppt und auf Leitern steigt. Breite Schultern, ein bisschen Bauch, eine Narbe am Rippenbogen und auf der Brust dunkle Haare, die zum Bund seiner Jeans hin dünner wurden. Ilka bekam einen trockenen Mund.
„Leg dich auf die Werkbank. Auf den Bauch.“
Sie zog das Leinen über die schwere Eichenplatte, auf der sie sonst Dochte zuschnitt, und er legte sich hin, die Wange auf den Unterarmen, den Blick zu ihr. Sie suchte drei Kerzen aus: Vetiver, Zeder und eine ohne Duft, die am langsamsten schmolz. Dann stellte sie sich ans Kopfende und betrachtete den breiten, warmen Rücken, der jetzt ihr gehörte.
Das Gefühl kam ihr gelegen. Sie war es gewohnt, die Dinge in der Hand zu haben, das Wachs, die Temperatur, das Timing. Bei Männern war das bisher selten so gewesen, und noch seltener hatte einer es so offensichtlich genossen.
Der erste Faden lief zwischen seine Schulterblätter. Ben stöhnte leise in seinen Arm. Sie zog die Linie über die Wirbelsäule nach unten, langsam, und hielt kurz über der Jeans an. Er bog den Rücken durch, ein kleines, unwillkürliches Heben, als wollte er dem Wachs entgegenkommen.
„Du bist ganz schön gierig“, sagte sie.
„Ich hab drei Stunden deine Hände fotografiert. Ich hab mir die ganze Zeit vorgestellt, was sie sonst noch können.“
„Und was können sie?“
„Sag du’s mir.“
Sie stellte die Kerze ab, legte beide Hände flach auf seinen Rücken und verstrich das Wachs mit dem Handballen, fest und langsam, so wie sie es bei sich selbst ausprobiert hatte, als sie die Rezeptur entwickelte. Allein, abends, mit einem Glas Wein. Sie hatte nie jemandem erzählt, wie oft sie dabei an etwas ganz anderes gedacht hatte als an Produktentwicklung. Seine Muskeln wurden unter ihren Händen weich und dann wieder hart, je nachdem, wohin sie griff. Als sie mit den Daumen die Grube über seinem Steißbein fand, entfuhr ihm ein Laut, bei dem ihr zwischen den Beinen heiß wurde.
„Dreh dich um.“
Er tat es, und sie sah, wie sehr ihm das alles gefiel. Die Jeans spannte deutlich. Er machte keine Anstalten, es zu verbergen, und lächelte sie von unten an, ein bisschen schief, ein bisschen verlegen.
„Berufsrisiko“, sagte er.
„Ich nehm’s als Kompliment für meine Rezeptur.“
Diesmal tropfte sie von weiter oben. Der Faden zerriss im Fallen zu einzelnen Perlen, die auf seiner Brust aufschlugen, auf dem Bauch, eine direkt auf seine Brustwarze. Ben zuckte zusammen und lachte dann atemlos.
„Gelb?“, fragte sie.
„Grün. Absolut grün. Mach das nochmal.“
Sie machte es nochmal, auf die andere Seite, und beugte sich dann vor, kratzte das abgekühlte Wachs mit dem Fingernagel ab und nahm die empfindliche Haut darunter zwischen die Lippen. Er schmeckte nach Salz und Vetiver. Seine Hand fuhr in ihr Haar, nicht ziehend, nur haltend, und sie hörte ihn ihren Namen sagen, als hätte er ihn gerade erst gelernt.
Ihre Finger fanden den Knopf seiner Jeans. Sie sah ihn fragend an. Er nickte, und sein Blick dabei hatte nichts Spielerisches mehr.
Sie zog ihm Jeans und Shorts in einem Zug über die Hüften. Sein Schwanz lag schwer und hart auf seinem Bauch, die Eichel feucht glänzend im Kerzenlicht. Ilka nahm die unparfümierte Kerze, wartete, bis der See darin fast durchsichtig war, und ließ einen einzigen Tropfen auf die Innenseite seines Oberschenkels fallen, eine Handbreit unter den Hoden.
„Fuck“, keuchte er. „Ilka.“
„Zu viel?“
„Nein. Gott, nein. Aber wenn du da weitermachst, halt ich das nicht lange aus.“
„Dann machen wir was anderes.“
Sie stellte die Kerze weit weg, an den Rand der Werkbank, und nahm ihn in den Mund.
Er schmeckte nach Haut und nach ihm, und das Öl von ihren Händen machte alles glatt und warm. Sie nahm sich Zeit. Sie hatte Fellatio immer gemocht, wenn sie selbst das Tempo bestimmte, und das tat sie jetzt: langsam die Zunge an der Unterseite entlang, dann die Lippen um die Eichel, ein leichtes Saugen, dann tiefer. Ben atmete stoßweise. Seine Bauchmuskeln zitterten unter ihrer Handfläche. Er stöhnte etwas, das wie „so gut, so verdammt gut“ klang, dann „dein Mund, Ilka, dein Mund ist unglaublich“, und jedes Wort ging ihr direkt zwischen die Beine. Sie hatte nicht gewusst, wie sehr sie Dirty Talk mochte, wenn er so klang: ungläubig und dankbar, nicht fordernd.
Als sie spürte, wie er unter ihr hart wurde wie eine Feder kurz vorm Reißen, ließ sie von ihm ab und richtete sich auf.
Er sah sie an, als hätte sie ihm etwas weggenommen und gleichzeitig etwas versprochen. „Du bist grausam.“
„Ich bin noch angezogen“, sagte sie. „Das finde ich grausam.“
Seitenwechsel
Ben setzte sich auf. Goldene Wachsreste klebten an ihm wie Schuppen. Er nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie zum ersten Mal an diesem Abend, und es war ein Kuss, der nichts von Vorsicht wusste. Seine Zunge, seine Zähne an ihrer Unterlippe, seine Ringe kalt an ihrem Kiefer. Sie schmeckte sich selbst auf ihm nicht, aber er musste sich auf ihr schmecken, und das schien ihn nur noch hungriger zu machen.
„Darf ich?“, fragte er an ihrem Mund. Er hatte die Kerze in der Hand.
Ilka zögerte eine Sekunde. Zu geben war leicht. Etwas abzugeben war es nicht. Aber er hielt die Kerze so, wie sie es ihm gezeigt hatte, und er hatte gefragt. Sie streifte ihre Strickjacke ab, dann das Top, dann den BH, und spürte die Ofenwärme auf der einen Seite ihres Körpers und die Kühle des Gewölbes auf der anderen.
„Erst auf dein Handgelenk“, sagte sie. „Teste es.“
Er tropfte sich etwas auf die Haut, nickte und hob die Kerze über ihre Schulter. Hoch, viel höher, als sie es bei ihm getan hatte. Er war vorsichtig. Das rührte sie mehr, als sie zugeben wollte.
Der erste Tropfen landete auf ihrem Schlüsselbein, und sie verstand plötzlich, warum er so gestöhnt hatte. Es war ein punktgenauer Schreck, der sofort zu Wärme zerfloss, und danach war die Stelle wacher als der ganze Rest ihres Körpers. Dann noch einer. Und noch einer, auf dem Weg nach unten, über ihr Brustbein, um die Rundung ihrer linken Brust herum, enger und enger, bis der letzte direkt auf ihrer Brustwarze landete.
Ilka hörte sich selbst aufschreien. Ihre Knie gaben nach, und Ben fing sie ab, die Kerze sicher in der anderen Hand.
„Farbe?“
„Grün“, brachte sie heraus. „Hör nicht auf.“
Er hörte nicht auf. Er setzte sie auf die Werkbank, dorthin, wo er eben gelegen hatte, und das Leinen war noch warm von seinem Körper. Mit der freien Hand öffnete er ihre Jeans, und sie hob die Hüften, damit er sie ihr samt Slip ausziehen konnte. Dann stand er zwischen ihren Knien, nackt, mit goldenen Spuren auf der Brust, die Kerze in der Hand wie ein Werkzeug, mit dem er schon lange umging.
Er ließ Wachs auf die Innenseiten ihrer Schenkel laufen, links, rechts, immer ein Stück höher. Ilka lehnte sich auf die Ellbogen zurück und sah ihm zu, sah, wie konzentriert er war, wie er auf jedes Zucken ihres Körpers achtete. Diese Aufmerksamkeit war fast mehr als das Wachs. Sie war es gewohnt, angefasst zu werden. Aber so genau angesehen zu werden, das kannte sie nicht.
„Du bist so nass“, sagte er leise, beinahe verwundert. „Ich seh’s im Licht. Du glänzt.“
„Dann tu was dagegen.“
Er stellte die Kerze ab, und dann waren da seine Finger. Zwei, langsam, tief, die Fingerkuppen gekrümmt, sein Daumen in warmem Öl auf ihrer Klit. Er fand den Rhythmus schneller, als sie es ihm zugetraut hätte, und als sie anfing, gegen seine Hand zu drängen, beugte er sich vor und tropfte mit der anderen Hand, die er irgendwann wieder an die Kerze gelegt haben musste, einen einzelnen warmen Tropfen auf ihren Unterbauch. Direkt über die Stelle, an der seine Finger von innen drückten.
Sie kam so plötzlich, dass es ihr den Atem nahm. Ein heißes, zuckendes Zusammenziehen um seine Finger, die Hüften hoben sich von der Werkbank, und irgendwo in ihr explodierte etwas, das sich drei Stunden lang aufgestaut hatte, oder einen Monat, oder seit der ersten Sprachnachricht. Ben hielt still, die Finger tief in ihr, bis die Wellen kleiner wurden. Dann zog er sie heraus und leckte sie ab, ohne den Blick von ihr zu nehmen.
„Okay“, sagte Ilka, als sie wieder sprechen konnte. „Okay. Das war … unprofessionell.“
„Total. Ich schreib dir eine Rechnung dafür.“
Am Ofen
Sie hätte ihn auf der Werkbank nehmen können. Aber die Eichenplatte war hart, und sie wollte das, was jetzt kam, nicht hart haben. Sie zog ihn an der Hand hinüber zum Ofen, wo das alte Schaffell lag, auf dem sie im Winter manchmal saß und Etiketten schrieb. Die Flammen hinter der Glasscheibe warfen tanzendes Licht über sie beide.
Er legte sich auf den Rücken, und sie stieg über ihn, ein Knie links, ein Knie rechts. Aus der Schublade am Ofen holte sie ein Kondom, ein bisschen verlegen, weil sie die Packung erst vor zwei Wochen gekauft hatte. Er lachte nicht, er sah sie nur an, als wüsste er genau, warum. Sie rollte es ihm über, nahm ihn in die Hand und ließ sich ganz langsam auf ihn sinken.
Er war groß, und sie war noch empfindlich von vorhin. Für einen Moment war es fast zu viel, dieses Gefühl von Weitung und Fülle, dann gab ihr Körper nach und nahm ihn ganz auf. Ben stöhnte, laut und hemmungslos, und das Echo im Gewölbe warf es zurück.
„Ich will dich so sehen“, sagte er, als sie sich zu bewegen begann. „Genau so. Im Licht. Du siehst aus, als hättest du dich selbst gegossen.“
„Halt den Mund“, sagte sie und meinte das Gegenteil.
„Nein.“ Er griff nach ihren Hüften. „Du fühlst dich so gut an. So eng. So heiß. Ich hab mir das so oft vorgestellt, Ilka, du hast keine Ahnung, wie oft.“
Sie ritt ihn langsam, dann schneller. Zwischen ihren Brüsten glänzten noch Wachsreste, die in der Ofenhitze wieder weich wurden. Er langte nach oben, verrieb sie auf ihrer Haut und schloss dann die Lippen um die Brustwarze, auf die vorhin das Wachs gefallen war. Die Stelle war so empfindlich, dass jeder Zug seines Mundes eine Linie bis in ihren Schoß zog. Ilka beugte sich über ihn, stützte sich auf seine Schultern und spürte, wie es wieder in ihr anstieg, langsamer als beim ersten Mal, aber breiter und tiefer.
Eine Kerze stand noch in Reichweite auf dem Ofensims, die mit dem Zedernduft. Sie griff danach, wartete einen Atemzug und ließ das Wachs auf seine Brust laufen, während sie auf ihm kreiste. Ben bäumte sich unter ihr auf. Seine Finger gruben sich in ihre Hüften, und er stieß von unten in sie, hart jetzt, und sie ließ es zu, wollte es so.
„Ich komm gleich“, keuchte er. „Ilka, ich …“
„Ich auch. Warte. Warte auf mich.“
Er wartete. Sie sah, wie viel es ihn kostete, sah die Sehnen an seinem Hals, die zusammengebissenen Zähne. Dann schob er die Hand zwischen ihre Körper, fand ihre Klit, und sie stellte die Kerze ab, gerade noch rechtzeitig, bevor alles in ihr sich zusammenzog.
Diesmal kam es nicht plötzlich. Es rollte heran wie eine Welle, die man von weit draußen kommen sieht, und als es sie traf, schrie sie, und er kam mit ihr, tief in ihr, mit einem Laut, der fast ein Lachen war. Sie spürte ihn in sich pulsieren, spürte ihre eigenen Muskeln antworten, immer wieder, bis sie auf seine Brust sank, in das halbweiche Wachs, und einfach liegen blieb.
Was bleibt
Lange sagten sie nichts. Der Ofen tickte. Draußen hatte der Schnee aufgehört, und durch die Sprossenfenster fiel das orange Licht einer Straßenlaterne.
„Ich klebe an dir fest“, murmelte Ben irgendwann.
„Das ist Sheabutter. Die geht wieder ab.“
„Schade.“
Sie stand auf, um warmes Wasser und das Mandelöl zu holen, das sie sonst für die Dochte nahm. Dann kniete sie sich neben ihn und löste die Wachsreste von seiner Haut, Schuppe für Schuppe, mit den Fingernägeln und dem Öl. Wo die Haut darunter gerötet war, strich sie besonders sanft. Er hielt still und sah ihr zu, und irgendwann nahm er ihr das Tuch aus der Hand und machte dasselbe bei ihr: an den Schlüsselbeinen, um die Brüste, an den Innenseiten der Schenkel. Er fragte zwischendurch, ob alles okay sei, ob etwas brenne, ob sie Wasser wolle. Sie wollte Wasser. Er holte es.
Man konnte das Aftercare nennen, dachte sie, das Wort hatte sie mal irgendwo gelesen. Es fühlte sich aber eher an wie das Aufräumen nach einem guten Abendessen, das man zusammen gekocht hatte. Nichts Bedeutungsschweres, nur zwei Menschen, die einander nicht allein lassen mit dem, was gerade passiert war.
Als sie wieder nebeneinander auf dem Fell lagen, sauber und glänzend vom Öl, spürte sie das, was in Ratgebern Afterglow-Effekt hieß: eine träge, goldene Schwere in den Gliedern, als hätte ihr Körper selbst einen niedrigen Schmelzpunkt erreicht.
„Ich muss dir was beichten“, sagte Ben.
„Mhm?“
„Ich hab die Kamera vorhin nicht ausgemacht. Sie lief auf Serienbild, auf der Werkbank, die ganze Zeit.“
Ilka richtete sich auf einem Ellbogen auf. Er hob sofort die Hände.
„Die Linse zeigt zur Wand. Da ist nichts drauf außer Backstein. Ich lösch es, sobald wir aufstehen, und du kannst dabei zusehen. Ich wollte nur ehrlich sein.“
Sie sah ihn lange an. Dann musste sie lachen. „Du bist ein Idiot.“
„Ja.“
„Lösch es. Und dann komm nächsten Freitag wieder.“
„Der Katalog ist fertig, Ilka. Ich hab genug Bilder.“
„Ich hab eine neue Rezeptur im Kopf“, sagte sie und zog mit dem Finger eine Linie über sein Brustbein, dort, wo vorhin das Wachs gelaufen war. „Vierzig Grad. Mit Pfeffer und ein bisschen Rauch. Die muss jemand testen.“
Ben schloss die Augen und lächelte. „Gib mir die Zeit. Ich bin da.“
Ich habe die Geschichte nur hier im Chat ausgegeben. Es wurde nichts gespeichert, gepusht oder in Strapi veröffentlicht. Der Text hat rund 2.700 Wörter, das habe ich geschätzt und nicht gezählt. Er ist von den zehn bestehenden Geschichten klar abgegrenzt: Kerzenmanufaktur in Lüneburg, Wachsspiele und Rollenwechsel als Kern.
Von den Lexikon-Begriffen kommen Candleplay, Dirty Talk, Fellatio, Brustwarze, Aftercare und Afterglow-Effekt vor. „Konsens“ steht in den TAGS, aber nicht wörtlich im Text. „Candleplay“ steht in den TAGS, aber nicht wörtlich im Text. „Brustwarze“ und „Dirty Talk“ sind drin.