Ob eine hedonistische Party zu dir passt, entscheiden nicht der Name oder die Fotos auf Instagram. Entscheidend ist das veröffentlichte Regelwerk. Der Begriff wird uneinheitlich verwendet: Manche meinen damit eine Fetischnacht mit Spielbereich, andere eine sexpositive Tanzparty, bei der vor allem getanzt und geflirtet wird. Für deinen Einstieg heißt das: Lies vorher die Regeln, frag nach, was unklar ist, und such dir eine Party aus, deren Regeln du ernst nimmst. Ob die Veranstalter sie dann auch durchsetzen, kannst du von außen nie sicher wissen. Diese Anforderungen an ein Event solltest du aber stellen.

Was „hedonistisch“ auf dem Flyer bedeuten kann

Einen einheitlich definierten Veranstaltungstyp gibt es nicht. Unter dem Etikett laufen sehr unterschiedliche Formate:

  • Clubnächte mit Fetisch-Dresscode, auf denen in erster Linie getanzt wird und manche Bereiche für mehr offen sind.
  • Play-Partys, bei denen Spielbereiche und BDSM-Equipment im Mittelpunkt stehen, etwa ein Andreaskreuz.
  • Sexpositive Partys mit Rückzugsräumen, auf denen Sex vorkommen kann, aber nicht muss.
  • Swinger-Events, die eigene Gepflogenheiten haben. Wie ein Clubabend dort abläuft, erklären wir im Ratgeber zu den ersten fünf Minuten im Swingerclub.

BDSM, Dresscodes oder sexuelles Geschehen gehören also nicht automatisch zu jeder hedonistischen Party. Einen Überblick über das Spektrum bekommst du auf unserer Seite zu Sex-Partys.

Regeln lesen wie ein Profi: Beispiele aus der Praxis

Die Regeln unterscheiden sich von Club zu Club und oft sogar von Nacht zu Nacht. Zwei veröffentlichte Beispiele zeigen, worauf du achten kannst. Sie stehen nicht stellvertretend für die ganze Szene.

Der Berliner KitKatClub schreibt auf seiner Clubseite, dass Anfassen ohne Einverständnis, auch im Vorbeigehen, zu lebenslangem Hausverbot führt. Für einzelne Partys nennt er eigene Dresscodes. Bei manchen sind Jeans und Sportschuhe verboten, für eine Nacht gilt sogar ein komplettes Handyverbot im Club. Das ist eine klare Ansage, und genau so etwas solltest du suchen: eine konkrete Regel mit einer konkreten Konsequenz.

Auch abseits der Großstadt entwickeln Veranstalter ihre Regeln weiter. Bei einer Fetischparty in Ravensburg ließ der Veranstalter nach Erfahrungen mit dem ersten Termin nur noch Paare in die Darkrooms, keine Singles mehr. Für den nächsten Termin kündigte er außerdem eine strengere Einlasskontrolle und ein Awareness-Medical-Team an, wie die Schwäbische Zeitung berichtete. Der Dresscode verlangte dort Kleidung im Stil der Szene.

Daraus ergibt sich eine Checkliste für deine Auswahl:

  1. Gibt es veröffentlichte Hausregeln? Mit Aussagen zu Konsens, Fotos und Konsequenzen bei Verstößen, nicht nur zum Outfit.
  2. Gibt es Ansprechpersonen, und woran erkennst du sie? Frag ruhig vorab per Mail, ob es ein Awareness-Team gibt, wie es gekennzeichnet ist und wo du es während der Party findest.
  3. Wie läuft der Einlass? Gibt es eine Vorab-Anmeldung, eine Kleiderkontrolle oder besondere Regeln für Singles? Solche Regeln sind von Event zu Event verschieden. Was im Swingerclub üblich ist, gilt nicht automatisch für eine Kink-Nacht.
  4. Wie geht der Veranstalter mit Handys um? Komplettverbot, eingeschränkte Bereiche oder gar keine Aussage?
  5. Wie wird mit Alkohol und anderen Substanzen umgegangen? Wenn dazu nichts dasteht, frag nach.

Wer auf solche Fragen gar nicht antwortet, ist für deine erste Nacht eher keine gute Wahl.

Vor der ersten Nacht: Absprachen statt Bauchgefühl

Klär für dich, was du willst: nur schauen, tanzen, mit Partner:in spielen oder neue Leute kennenlernen? Und was ist heute tabu? Wenn du zu zweit gehst, sprecht vorher über Grenzen und darüber, wann ihr gemeinsam geht. Grundsätzlich gilt: fragen, bevor du jemanden anfasst. Ein Ja zu einer Sache gilt nicht automatisch für die nächste, und ein Ja von vorhin gilt nicht unbedingt für jetzt.

Wer spielt, braucht Werkzeuge, die auch bei lauter Musik funktionieren: ein Safeword, den Ampelcode und ein nonverbales Signal, falls Sprechen schwierig wird. Auch Aftercare ist individuell. Manche brauchen danach Wasser, eine Decke und Ruhe, andere wollen reden, wieder andere schreiben sich lieber am nächsten Tag kurz. Sprecht vorher ab, was ihr euch voneinander wünscht. Wenn du die Grundlagen von Safeword bis Verhandlung vertiefen willst, findest du sie in unserem Ratgeber BDSM für Anfänger.

Beim Thema Rausch lohnt sich Ehrlichkeit. Die Berliner Senatsverwaltung weist in einer Präventionskampagne zu Alkohol, Drogen und Sexualität darauf hin, dass es unter Rauscheinfluss zu nicht einvernehmlichen Handlungen kommt, auch in Clubs und auf Festivals. Die Kampagne ruft dazu auf, eigene Grenzen zu benennen und die Grenzen anderer zu respektieren. Und sobald es körperlich wird, bleibt Safer Sex ein Thema. Wo du dich zu sexuell übertragbaren Infektionen, Tests und Beratung informieren kannst, zeigt die Initiative LIEBESLEBEN. Für eine persönliche Einschätzung sind Ärzt:innen, Gesundheitsämter oder Aidshilfen vor Ort die richtigen Anlaufstellen.

Kink ist keine Krankheit: was die Forschung sagt

BDSM kann von Inszenierung leben, muss es aber nicht. Viele Szenen drehen sich um Vertrauen, Rollen, Kontrolle oder Hingabe. Dass Kink „gestört“ sei, stützt die Forschung nicht. In einer niederländischen Online-Befragung von 902 BDSM-Praktizierenden und 434 Kontrollpersonen zeigten die Teilnehmenden aus der BDSM-Gruppe unter anderem weniger Neurotizismus, mehr Offenheit und ein höheres subjektives Wohlbefinden. Das zeigt die Studie von Wismeijer und van Assen. Die Stichprobe war allerdings online rekrutiert und nicht repräsentativ.

Auch die Diagnostik hat sich geändert. Die WHO-Arbeitsgruppe für die ICD-11 empfahl, Sadomasochismus nicht mehr als eigene Diagnose zu führen. Das legt der Fachartikel von Krueger und Kolleg:innen dar. Paraphile Störungen betreffen nach dem Vorschlag vor allem Erregungsmuster, die sich auf Menschen richten, die nicht einwilligen können oder wollen. Einvernehmliche oder allein ausgeübte Praktiken können aber ebenfalls darunter fallen: wenn sie mit erheblichem Leidensdruck verbunden sind, der nicht bloß aus Ablehnung durch andere entsteht, oder wenn ein erhebliches Verletzungs- oder Todesrisiko besteht. Eine Vorliebe gilt also nicht schon deshalb als Störung, weil sie von Normen abweicht. Eine Diagnose kann ohnehin nur eine Fachperson stellen.

Rechtslage in Deutschland

Einvernehmliches BDSM ist in Deutschland nicht verboten. Wer jemanden körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, kann allerdings den Tatbestand der Körperverletzung nach § 223 StGB erfüllen. Eine Einwilligung kann das rechtfertigen. Nach § 228 StGB handelt nur rechtswidrig, wer trotz Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt.

Wo diese Grenze liegt, hat der Bundesgerichtshof konkretisiert. Einvernehmliche sadomasochistische Praktiken, die zu Körperverletzungen führen, verstoßen nicht als solche gegen die guten Sitten. Sittenwidrig wird die Tat aber, wenn die einwilligende Person bei vorausschauender objektiver Betrachtung in konkrete Todesgefahr gebracht wird. So steht es im Urteil des BGH vom 26. Mai 2004 (2 StR 505/03). Riskante Praktiken wie Würgen oder Atemspiele sind deshalb auch juristisch heikel. Das hier ist keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen hilft eine Anwältin oder ein Anwalt.

Fazit: Regeln lesen, Grenzen kennen, dann genießen

Die beste erste hedonistische Party ist nicht die lauteste, sondern die mit nachvollziehbaren Regeln, erreichbaren Ansprechpersonen und klaren Konsequenzen. Prüf das Regelwerk vorab, sprich deine Grenzen aus und gönn dir das Recht, jederzeit Nein zu sagen oder früher zu gehen. Dann fühlt sich Hedonismus nicht nach Kontrollverlust an, sondern nach ziemlich viel Freiheit.

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