Ja, mit OnlyFans kann man Geld verdienen. Ein Selbstläufer ist es aber nicht. Laut den archivierten Nutzungsbedingungen von OnlyFans behält die Plattform 20 Prozent jeder Fan-Zahlung, 80 Prozent gehen an dich. Gerechnet wird dabei ohne Umsatz- oder Verkaufssteuern, die zusätzlich erhoben werden. Und diese 80 Prozent sind noch nicht dein Gewinn: Deine eigenen Kosten und deine Steuern gehen davon noch ab. Ohne Arbeit in Community, Marketing und Organisation läuft wenig. Eine Garantie auf zahlende Fans oder einen bestimmten Verdienst ist aber auch viel Einsatz nicht. Stell dir das Ganze deshalb eher als kleines Medienunternehmen vor, in dem du Model, Marketingabteilung und Buchhaltung in einer Person bist.

Wo das Geld herkommt

Das Abo ist nur die Eintrittskarte. Geld kommt aus mehreren Töpfen: Monatsabos, bezahlte Nachrichten (Pay-per-View), Trinkgelder und individuelle Anfragen wie ein Custom Video. Für all diese Einnahmen gilt dieselbe 80/20-Aufteilung.

Insgesamt geht es um sehr viel Geld. Die Betreiberfirma Fenix International ist eine britische Gesellschaft, ihre Abschlüsse liegen im britischen Handelsregister Companies House. Laut einem Bericht von Variety über den Abschluss für das Geschäftsjahr bis Ende November 2024 haben Fans rund 7,2 Milliarden US-Dollar bezahlt, etwa 5,8 Milliarden davon gingen an die Creator:innen.

Was heißt das für dich? Erst mal wenig. Teilst du eine Gesamtsumme durch die Zahl der Accounts, bekommst du einen rechnerischen Durchschnitt. Der kann korrekt sein und trotzdem nichts darüber sagen, was typisch ist. Wenige sehr erfolgreiche Accounts ziehen den Mittelwert nach oben, während viele andere deutlich darunter liegen können. Ein Durchschnitt ist also keine Prognose für deinen Account. Frag bei jeder Zahl, die dir begegnet, woher sie stammt und worauf sie sich bezieht.

Der Alltag: mehr Büro als Boudoir

Das Shooting selbst ist nur ein Teil der Arbeit. Dazu kommen Aufgaben, die man leicht unterschätzt:

  • Reichweite aufbauen: Viele Creator:innen setzen auf andere Kanäle, um auf ihren Account aufmerksam zu machen. Dort gelten oft strengere Regeln für erotische Inhalte. Du musst also neugierig machen, ohne gegen deren Regeln zu verstoßen.
  • Nachrichten beantworten: Chats, Dirty Talk und persönliche Anfragen können ein wichtiger Teil des Angebots sein. Sie kosten Zeit und Energie.
  • Planen: Content-Kalender, Preise, Aktionen, Archiv pflegen.
  • Verwaltung: Belege sammeln, Einnahmen dokumentieren, Steuertermine im Blick behalten.

Wer diesen Aufwand nicht mitrechnet, erlebt beim Blick auf den Stundenlohn womöglich eine Überraschung. Agenturen bieten an, dir Arbeit abzunehmen, und verlangen dafür einen Teil deiner Einnahmen. Bevor du unterschreibst, prüf den Vertrag genau: Wer bekommt deine Zugangsdaten? Wer schreibt in deinem Namen mit deinen Fans? Und wie kommst du wieder raus?

Grenzen, Sicherheit und dein Kopf

Dein wichtigstes Werkzeug ist ein klares Nein. Leg fest, was du zeigst und was nicht, und zwar bevor die erste gut bezahlte Anfrage kommt. Hilfreich ist eine Liste mit drei Spalten: „mache ich gern“, „mache ich zu einem höheren Preis“, „mache ich nie“. Dann entscheidest du nicht in dem Moment, in dem Geld lockt. Wie beim Sex gilt auch hier: Konsens kannst du jederzeit zurücknehmen. Wer dich drängt, mehr zu zeigen als vereinbart, ist kein Kunde, sondern ein Warnsignal.

Drei Punkte, die du von Anfang an absichern solltest:

  1. Getrennte Identitäten: eigene Mailadresse, eigenes Telefon oder eigene SIM-Karte, keine erkennbaren Orte, Fenster mit Aussicht oder Post im Bild.
  2. Mit Leaks rechnen: Was du hochlädst, kann kopiert werden. Plan so, als könnte dein Content irgendwann öffentlich auftauchen.
  3. Hilfe holen: Wenn Inhalte ohne deine Zustimmung verbreitet werden oder du erpresst oder bedroht wirst, berät die gemeinnützige Organisation HateAid Betroffene von digitaler Gewalt. Bei rechtlichen Schritten hilft eine Anwältin oder ein Anwalt für Medien- oder Strafrecht.

Und dein Kopf? Ständige Erreichbarkeit und Bewertung durch Fremde können auf Dauer an dir zehren. Das ist ein Risiko, das du im Blick behalten solltest. Plane feste Offline-Zeiten ein, als eine Art Aftercare für dich selbst. Wenn es dir dauerhaft schlecht geht, ist eine psychologische Beratung oder deine Hausarztpraxis die richtige Adresse, und das ist kein Zeichen von Schwäche.

DACH-Kontext: Umsatzsteuer, Anmeldung, Impressum

Hier wird es trocken, aber es entscheidet mit darüber, was dir bleibt. Das Folgende ist eine Orientierung und ersetzt keine Steuerberatung. Hol dir am besten schon vor dem Start Rat von Steuerberater:innen.

Deutschland: Unternehmer:in im Sinne der Umsatzsteuer ist nach § 2 UStG, wer selbstständig und nachhaltig tätig ist, um Einnahmen zu erzielen. Das ist also nicht automatisch ab dem ersten Euro der Fall. Laut Finanzverwaltung NRW gelten regelmäßige, selbstständige Creator-Einnahmen mit Gewinnerzielungsabsicht als gewerblich. Dann meldest du ein Gewerbe an und reichst innerhalb eines Monats nach dem Start über ELSTER den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ ein. Gewerbesteuer fällt erst an, wenn dein Gewinn über 24.500 Euro im Jahr liegt. Einkommensteuer wird fällig, sobald dein Einkommen den Grundfreibetrag übersteigt.

Bei der Umsatzsteuer hilft die Kleinunternehmerregelung. Nach § 19 UStG darf dein Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro und im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro betragen. Für Einsteiger:innen wichtig: Im Gründungsjahr liegt die Grenze laut den NRW-Finanzämtern bei 25.000 Euro. Ganz ohne Pflichten bist du aber auch als Kleinunternehmer:in nicht: Rechnungen brauchen vereinfachte Angaben und dürfen keine Umsatzsteuer ausweisen.

Die OnlyFans-Frage: Diese Grenzen sagen noch nicht, wie deine Plattformumsätze umsatzsteuerlich einzuordnen sind. Deine Fans zahlen über die britische Plattform, du bekommst deinen Anteil ausgezahlt. Wer dein Vertragspartner ist, wo der Leistungsort liegt und wie die Abrechnung umsatzsteuerlich zu behandeln ist, solltest du mit einer Steuerberatung klären. Die hier verlinkten Behördenquellen erklären die allgemeinen Regeln, nicht diesen Spezialfall.

Österreich: Laut Unternehmensserviceportal des Bundes liegt die Kleinunternehmergrenze seit 2025 bei 55.000 Euro. Sie darf weder im laufenden noch im vorangegangenen Kalenderjahr überschritten werden.

Schweiz: Obligatorisch mehrwertsteuerpflichtig wirst du laut Eidgenössischer Steuerverwaltung ab 100.000 Franken Umsatz aus Leistungen im In- und Ausland. Mitgezählt werden unter anderem auch Auslandsleistungen, die im Inland steuerbar wären, und von der Steuer befreite Leistungen. Unabhängig davon werden deine Einkünfte grundsätzlich auch bei den Einkommenssteuern erfasst. Ob und wie viel du tatsächlich zahlst, hängt von deiner Situation ab.

Für Österreich und die Schweiz gilt erst recht: Anmeldung, Einkommensteuer und weitere Pflichten klärst du am besten vor Ort mit einer Steuerberatung.

Anonymität und Impressum: In Deutschland verpflichtet § 5 DDG alle, die geschäftsmäßig und in der Regel gegen Entgelt digitale Dienste anbieten, zu Angaben wie Name und Anschrift. Ob das für dich gilt, etwa bei Werbeprofilen auf anderen Plattformen oder einer eigenen Website, und ob eine Geschäftsadresse statt deiner Wohnadresse reicht, klärst du am besten mit einer Fachanwältin oder einem Fachanwalt. Dein Klarname kann also früher sichtbar werden, als dir lieb ist.

Lohnt es sich? Die ehrliche Entscheidungshilfe

Frage an dichSpricht eher dafürSpricht eher dagegen
ZeitDu kannst regelmäßig viele Stunden pro Woche einplanenEs soll ein schneller Nebenverdienst ohne Aufwand werden
ReichweiteDu hast schon eine Community oder Spaß an Social MediaDu fängst bei null an und scheust Werbung
SichtbarkeitDu kannst damit leben, erkannt zu werdenEin Outing hätte ernste Folgen für Job oder Familie
FinanzenDu hast Rücklagen für eine lange AnlaufphaseDu brauchst das Geld sofort und sicher
GrenzenDu weißt genau, was du zeigen willstDu hoffst, dass sich das „schon ergibt“

Wenn du in der rechten Spalte öfter nickst, ist das kein Urteil über dich. Vielleicht ist jetzt einfach nicht der richtige Zeitpunkt. Findest du dich links wieder: Starte mit einem Plan, einer Steuerberatung und einer Liste deiner Grenzen, nicht nur mit einer guten Kamera.

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