Angezogen bleiben und trotzdem mitverdienen? Das verspricht jetzt Pornhub. Am 29. Oktober 2026 berichteten mehrere Branchenmedien, dass die Adult-Plattform aus dem Aylo-Konzern Creator gezielt dazu aufruft, auch Safe-for-Work-Inhalte (SFW) hochzuladen. Gemeint sind nicht explizite Videos ohne Nacktheit. Das deutschsprachige Portal CASZIN nennt Podcasts, Gaming-Streams, Tutorials, Interviews und Lifestyle-Videos. Das US-Branchenportal AdultFYI ergänzt Kochen, Fitness, Reisen, Humor und Bildung. Creator sollen damit Werbeeinnahmen erzielen können, auch mit Material, das sie schon anderswo veröffentlicht haben.

Was Pornhub verspricht

Nach Angaben von AdultFYI gilt eine klare inhaltliche Regel: SFW-Uploads dürfen weder Nacktheit noch explizites Material zeigen und sollen nicht auf Erregung abzielen. Das ist eine Plattformregel für den Inhalt, keine Altersfreigabe. Die Videos sollen auf Videoseiten, in Suchergebnissen, Empfehlungen und Kategorien laufen, außerdem in „Shorties“, dem vertikalen Scroll-Feed der Plattform. Neben Werbegeld aus den Aufrufen dürfen Creator ihr Publikum laut CASZIN auf Fanseiten, Abo-Plattformen und eigene Premium-Angebote weiterleiten. Begleitet wird der Aufruf dort zufolge von der Reihe „Pornhub Taught Me“, in der Markenbotschafter:innen und Models Alltagsfähigkeiten zeigen.

Pornhubs Vice President of Brand and Community, Alex Kekesi, nennt die Plattform laut AdultFYI einen „cultural access point“, an dem Creator ein Publikum für die ganze Bandbreite ihrer Interessen aufbauen könnten. SFW-Inhalte sollen das Kerngeschäft ergänzen, nicht ersetzen.

Ihre Argumente stützt die Plattform auf eigene Zahlen aus dem Jahresrückblick 2025. Laut AdultFYI soll der Podcast-Traffic um 327 Prozent gestiegen sein, der Gaming-Traffic um 283 Prozent und Suchen nach „SFW“ um 114 Prozent. Andere Branchenberichte nennen beim Podcast-Wachstum leicht abweichend 328 Prozent. Als Beispiel führt AdultFYI ein komplett bekleidetes Minecraft-Video der Creatorin Sweetie Fox an, das in weniger als einem Monat über eine Million Aufrufe erreicht haben soll. Unabhängig prüfen lässt sich das nicht. Es sind Unternehmensangaben, keine neutrale Marktforschung.

Was das für deutschsprachige Creator heißt

Pornhub positioniert sich als Ausweichquartier für Creator, die auf anderen Plattformen mit Sperren oder eingeschränkter Reichweite kämpfen. Laut AdultFYI wirbt die Plattform ausdrücklich mit Stabilität in Zeiten von Bans und Deplatforming. Das ist ein Versprechen, keine Garantie. Wie Pornhub SFW-Profile moderiert oder ausspielt und wie viel Reichweite tatsächlich ankommt, belegen die Berichte nicht. Offen bleibt auch die Höhe der Werbebeteiligung, die keine der Quellen nennt.

Für Amateur-Creator und Camgirls kann die Idee trotzdem reizvoll sein. Kochvideos, Gaming oder ein Podcast über den Job zeigen dich als Person und nicht nur als Körper. Und Inhalte, die ohnehin existieren, lassen sich ein zweites Mal verwerten. Rechne aber nicht vorschnell mit dem großen Geld. Wie realistisch Einnahmen im Creator-Business generell sind, liest du in unserem Ratgeber Mit OnlyFans Geld verdienen.

Vorsicht bei der Reichweite: Laut Pornhub können SFW-Videos auch in ausgewählten Regionen erscheinen, in denen die Plattform wegen Altersverifikationsgesetzen eingeschränkt ist (AdultFYI). Welche Regionen das sind, nennt das Unternehmen nicht. Ob das für Deutschland, Österreich oder die Schweiz gilt, ist damit nicht bestätigt. CASZIN richtet sich mit seiner Einordnung ausdrücklich an deutsche Creator, zu Österreich und der Schweiz liegen keine spezifischen Angaben vor. Unabhängig vom SFW-Etikett gelten für den Zugang zur Plattform weiterhin die jeweiligen Alters- und Jugendschutzvorgaben. Mehr zur Einordnung findest du im Lexikon unter Altersfreigabe.

Hinzu kommt das Imagethema: Auch das harmloseste Kochvideo läuft unter einer Marke, die klar für Pornografie steht. Wer Privates und Berufliches trennen will, sollte genau überlegen, welche Inhalte wo landen. Für die Szene ist der Vorstoß dennoch ein Signal, denn die Grenze zwischen Erotikplattform und allgemeiner Amateurcommunity wird durchlässiger. Mehr Hintergründe aus der Branche gibt es in unserer Rubrik Kultur & Szene.

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