Ein Klick, ein „Ja, volljährig“, fertig: So ungefähr soll der Altersnachweis der Zukunft aussehen. Am 15. Oktober 2026 hat der Bundestag das Digitale Identitätengesetz verabschiedet. Damit kann die deutsche EUDI-Wallet d-you laut Bundesregierung kommen. Nach Angaben des offiziellen Wallet-Projekts ist der Start für den 2. Januar 2027 geplant, die Nutzung soll freiwillig und kostenlos sein. Einer der ersten geplanten Anwendungsfälle ist der Altersnachweis. Was das für Anbieter legaler Erotikinhalte bedeuten könnte, hatte das Branchenmagazin CASZIN schon am 14. Oktober in einem Kommentar eingeschätzt. Der Ton dort ist ziemlich skeptisch.
Was d-you zum Start können soll
Laut Bundesregierung soll der Personalausweis als „digitaler Zwilling“ in die Wallet kommen. Direkt zum Start geplant sind außerdem der Altersnachweis, rechtssichere Vertragsabschlüsse und die Kontoeröffnung. Rund 40 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung sollen von Anfang an dabei sein. Den Führerschein nennt die Bundesregierung nur als mögliche spätere Erweiterung, genau wie Geburtsurkunde und Fahrtickets. Auch das Wallet-Projekt schreibt: „Der Start markiert dabei nicht den Abschluss der Entwicklung.“
Wichtig für den DACH-Raum: d-you ist die deutsche Umsetzung der europäischen digitalen Brieftasche. Für Österreich oder die Schweiz folgt daraus kein gleichzeitiger oder identischer Start.
Für Erwachsenen-Angebote ist vor allem die Datensparsamkeit interessant. Ein Altersverifikationssystem läuft heute oft über Video-Ident, Ausweis-Uploads oder Bankdaten. Das ist umständlich und nicht gerade diskret. Mit d-you müsste der Dienst nur noch erfahren, dass du volljährig bist, ohne Namen, Adresse oder Geburtsdatum. Aber Vorsicht: Für geschlossene Benutzergruppen verlangen die KJM-Kriterien zwei Schritte: eine Identifizierung und die Authentifizierung der Person, die tatsächlich zugreift. Eine Wallet-Anbindung allein ist also noch keine fertige Gesamtlösung.
Wo CASZIN die Baustellen sieht
CASZIN schreibt, dass Zero-Knowledge-Proofs und Pseudonyme zum Start fehlen könnten. Zero-Knowledge-Proofs sind kryptografische Nachweise, die eine Aussage wie „volljährig“ belegen, ohne die Daten dahinter preiszugeben. Benannte Fachleute zitiert das Magazin dazu nicht. Zur Pseudonymfunktion gibt es inzwischen einen offiziellen Stand: Laut Bundestag fordert eine am 15. Oktober beschlossene Entschließung, dass sie zum Start oder so schnell wie möglich danach kommt. In der Anhörung am 6. Oktober hatte der Bundesdatenschutzbeauftragte die fehlende pseudonyme Nutzung als „misslich aus Datenschutzsicht“ kritisiert.
Als Warnsignal nennt CASZIN die Altersverifikations-App der EU-Kommission. Das ist allerdings ein eigenes Projekt, eine Referenzlösung nach dem EU-Blueprint, und nicht d-you. Laut futurezone hat der Sicherheitsberater Paul Moore im April 2026 den Quellcode von GitHub untersucht. Auf seinem eigenen Handy konnte er die PIN löschen und neu anlegen, der bereits erstellte Altersnachweis blieb dabei erhalten. Für den Angriff brauchte er also Zugriff auf das Gerät und dessen Dateien. Die Kommission sprach von einer älteren Demoversion und erklärte die Lücken für geschlossen. Die Kritiker gaben dagegen an, die aktuellste Version geprüft zu haben. Ein Angriff auf d-you ist damit nicht belegt.
CASZIN sieht außerdem ein strukturelles Problem: d-you könnte zum faktischen Standard für 18+-Inhalte werden. Deutsche Anbieter hätten dann Integrationskosten und laufenden Prüfaufwand. Internationale Plattformen, die heute ohne Altersprüfung arbeiten, betrifft das nicht automatisch.
Was das für dich und die Creator-Szene heißt
Für dich könnte der Zugang zu legalen 18+-Angeboten ab 2027 einfacher und diskreter werden, aber nur bei Plattformen, die d-you tatsächlich anbinden. Achte darauf, welche Daten eine Seite abfragt. Zum Nachweis des Alters reicht die Info „volljährig“.
Für Creator, Studios und die Amateurcommunity geht es vor allem um Technik und Geschäft. Spannend ist, welche Plattformen die Wallet akzeptieren und wie sich das auf den Anteil erfolgreicher Anmeldungen oder Käufe auswirkt. Wie sehr das Creator-Business vom Setup der Plattform abhängt, zeigt unser Ratgeber Mit OnlyFans Geld verdienen. Mehr Branchenthemen findest du unter Kultur & Szene.
Unser Fazit: d-you könnte den Altersnachweis deutlich diskreter machen. Ob das klappt, hängt davon ab, ob die Technik hält, was die Planung verspricht. Bei rechtlichen Fragen zur Altersverifikation in deinem eigenen Angebot hilft eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Medienrecht. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.
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