Autocunnilingus
Die seltene Form der Selbstbefriedigung, bei der eine Person die eigene Vulva oder Klitoris mit dem eigenen Mund stimuliert — das weibliche Pendant zum Autofellatio.
Autocunnilingus bezeichnet die Praktik, die eigene Vulva, die Klitoris oder den Scheideneingang mit dem eigenen Mund und der eigenen Zunge zu stimulieren. Der Begriff setzt sich aus dem griechischen „auto-” (selbst) und dem lateinischen „cunnilingus” (Lecken der Vulva) zusammen und beschreibt damit eine besonders anspruchsvolle Form der Selbstbefriedigung. Es handelt sich um das weibliche Gegenstück zum Autofellatio, bei dem ein Mann den eigenen Penis oral erreicht. In der Realität ist Autocunnilingus extrem selten, weil er eine außergewöhnliche Beweglichkeit der Wirbelsäule und der Hüften voraussetzt — für die allermeisten Körper ist er schlicht anatomisch nicht erreichbar.
Bedeutung und Einordnung
Weil der Kopf den Schritt nur erreicht, wenn der Oberkörper sehr weit nach vorn oder unten gefaltet wird, gelingt Autocunnilingus fast ausschließlich Menschen mit ausgeprägter Hypermobilität — etwa aus dem Kontorsions- oder Akrobatikbereich, manchmal verbunden mit einer Veranlagung wie dem Ehlers-Danlos-Syndrom. Für den durchschnittlichen Körperbau ist die Haltung kaum oder gar nicht zu halten, und schon gar nicht lange genug, um Lust aufzubauen. Deshalb ist der Begriff in erster Linie eine sexuelle Fantasie, ein Nischenmotiv in der Pornografie und ein Gesprächsthema rund um Flexibilität — und kein realistisches Ziel für die eigene Solo-Sexualität.
Wichtig ist diese Einordnung gerade deshalb, weil im Netz oft der Eindruck entsteht, „mit genug Dehnung schaffst du das schon”. Das stimmt für die meisten Menschen nicht, und genau hier passieren Verletzungen.
Worauf es ankommt — und wo die Grenzen liegen
Wer mit der eigenen Flexibilität experimentiert, sollte das von der akrobatischen Seite her angehen, nicht mit Gewalt aus dem Stand. Ein paar konkrete Hinweise:
- Gründlich aufwärmen und dehnen, statt sich kalt in eine extreme Faltung zu zwingen — Nacken und unterer Rücken sind die Risikozonen.
- Niemals mit Schwung in die Haltung „werfen”; langsam herantasten und bei Schmerz, Kribbeln oder Taubheit sofort aufhören.
- Eine weiche Unterlage nutzen und so liegen, dass du jederzeit kontrolliert wieder herauskommst.
- Realistisch bleiben: Klitorisstimulation mit Hand, Mund eines Partners, Spielzeug oder unter der Dusche bringt dieselbe Lust ohne Verrenkung.
Für die meisten ist die entspanntere Variante die klügere: Selbstbefriedigung lebt nicht von der Akrobatik, sondern davon, was sich gut anfühlt. Wer die orale Reizung mag, findet sie unkomplizierter zu zweit — beim gegenseitigen Lecken etwa im 69er oder beim ausgiebigen Genießen, wie es auch Tantra und Techniken wie Edging betonen.
Kontext, Sicherheit, Missverständnisse
Das größte Missverständnis ist, Autocunnilingus sei „nur eine Frage des Trainings”. Tatsächlich entscheidet vor allem die individuelle Anatomie — Wirbelsäulenlänge, Hüftbeweglichkeit, Beinverhältnis. Trainieren lässt sich Beweglichkeit zwar, aber forciertes Überdehnen der Halswirbelsäule kann Nerven und Bandscheiben ernsthaft schädigen. Hier gilt dasselbe wie bei anderen körperintensiven Spielarten: Grenzen ernst nehmen ist kein Spaßverderber, sondern Selbstfürsorge. Wie nach jeder intensiven Session tut etwas Aftercare gut — kurz nachspüren, lockern, Wasser trinken.
Genitalhygiene und Lust gehören dabei zusammen: Wer den eigenen Körper oral erkundet, sollte ihn sauber und gepflegt halten, ähnlich wie beim Anilingus. Und schließlich ist Autocunnilingus kein Maßstab für „guten Sex” — er taucht in Clips und Fantasien überproportional auf, im echten Leben ist er eine Randerscheinung. Ob du dabei einen klitoralen Höhepunkt, ein Spiel mit dem G-Punkt oder gar Squirting anstrebst, ist völlig zweitrangig. Entscheidend bleibt, dass Selbstbefriedigung sich gut, sicher und selbstbestimmt anfühlt — nicht, wie spektakulär die Haltung aussieht.