Abrasion
Abrasion bezeichnet das bewusste Reizen der Haut durch Reibung, Kratzen oder Schaben als Spielart des Sensation Play – sowie ungewollte Mikro-Verletzungen der Haut beim Sex.
Abrasion bezeichnet im erotischen Kontext das bewusste Reizen der Haut durch Reibung, Kratzen oder Schaben – eine Spielart des sogenannten Sensation Play, bei der raue Materialien gezielt über die Haut geführt werden. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen (abradere, „abschaben”) und meint medizinisch das oberflächliche Abtragen von Hautschichten. In der erotischen Praxis steht aber nicht die Verletzung im Vordergrund, sondern das intensive, oft prickelnde Empfinden, das von feinem Kribbeln bis zu deutlichem Brennen reichen kann. Damit ist Abrasion eine Technik aus dem weiteren BDSM-Spektrum, die von Einvernehmlichkeit, Kommunikation und Sorgfalt lebt.
Was Abrasion bedeutet – und was nicht
Im Kern beschreibt Abrasion zwei verwandte Dinge, die man auseinanderhalten sollte. Zum einen die gewollte, lustvolle Variante: das sogenannte Abrasion Play, bei dem ein Mensch der anderen Person mit rauen Texturen über empfindliche Hautpartien fährt, um starke Reize zu setzen. Zum anderen die ungewollte Abrasion – kleine Mikro-Verletzungen der Haut oder Schleimhäute, die etwa bei trockener Reibung, langem Sex ohne ausreichend Gleitmittel oder unpassenden Materialien entstehen. Beide hängen zusammen, denn beide drehen sich um die mechanische Belastung der Haut.
Die lustvolle Form gehört zum Repertoire des Sensation Play, wo es darum geht, das Nervensystem mit ungewohnten Reizen zu bespielen. Anders als beim reinen Schmerzspiel ist das Ziel die feine Grenze zwischen Kitzeln, Wärme und einem leichten Brennen. Wer Abrasion ausprobiert, beginnt fast immer sanft und tastet sich langsam an die Intensität heran, die für beide stimmig ist.
Praxis: Worauf es ankommt
Abrasion lässt sich mit erstaunlich einfachen Mitteln umsetzen – entscheidend sind Dosierung und die Wahl der richtigen Körperstellen. Gut geeignet sind Areale mit viel Hautoberfläche wie Rücken, Oberschenkel, Po oder Brust; empfindliche, dünnhäutige Zonen und Schleimhäute bleiben tabu. Häufig genutzte Hilfsmittel sind:
- Fingernägel für ein direktes, gut steuerbares Kratzen
- weiche bis grobe Bürsten oder Massagehandschuhe
- ein Wartenberg-Rad (Nadelrad), das punktuelle Reize setzt
- feines Schleifpapier oder raue Stoffe wie Sisal oder Bast
- Luffa-Schwämme für ein flächigeres, milderes Schaben
Wichtig ist, möglichst in eine Richtung zu arbeiten, regelmäßig die Reaktion des Gegenübers zu beobachten und nie über bereits gereizte oder gerötete Stellen erneut zu fahren. Ein vereinbartes Safeword sorgt dafür, dass das Spiel jederzeit gestoppt oder verlangsamt werden kann.
Sicherheit, Konsens und Aftercare
Weil Abrasion die Hautbarriere reizen oder kleine Öffnungen schaffen kann, ist Hygiene zentral: saubere Werkzeuge, gewaschene Haut und keine geteilten Gegenstände ohne Desinfektion. Offene Mikro-Verletzungen erhöhen das Risiko, dass Krankheitserreger eindringen – deshalb gehört Abrasion nie in den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten anderer und niemals an Schleimhäute. Bei der ungewollten Variante hilft schlicht reichlich Gleitmittel, um Reibungsschäden beim Sex zu vermeiden.
Wie bei jeder intensiveren Praxis gilt: vorher absprechen, was erlaubt ist, Grenzen klären und während des Spiels in Kontakt bleiben. Klarer Konsens ist die Grundlage, ein Safeword das Sicherheitsnetz. Nach dem Spiel folgt die Hautpflege als Teil der Aftercare – gereizte Stellen kühlen, mit einer milden Lotion versorgen und dem Körper Ruhe gönnen. Ein gängiges Missverständnis ist übrigens, Abrasion sei dasselbe wie hartes Schmerz- oder Blutspiel: Tatsächlich bleibt sie meist oberflächlich und sinnlich und hat mit diesem Klischee wenig zu tun. Wer mag, kombiniert sie mit anderen Reizen wie Abbinden, einem Fetisch-Element oder schlicht mit zärtlicher Berührung dazwischen.