Blutschande
Veralteter, wertender Ausdruck für Inzest — in der Erotik vor allem als Tabu- und Rollenspiel-Motiv zwischen erwachsenen, nicht verwandten Partnern relevant, während realer Inzest strafbar ist.
Blutschande ist ein veralteter, stark moralisch aufgeladener Ausdruck für Inzest — also sexuelle Handlungen zwischen eng miteinander verwandten Menschen. Das Wort stammt aus einer Zeit, in der man solche Beziehungen als „Befleckung des Blutes” verstand und sie religiös wie strafrechtlich ächtete. Heute klingt der Begriff antiquiert und wertend; in der Sachsprache redet man von Inzest, im Strafrecht vom Beischlaf zwischen Verwandten. Eines vorweg, weil es zählt: Realer Inzest innerhalb einer Familie ist in Deutschland strafbar und in der Praxis fast immer mit Machtgefälle, Abhängigkeit oder Missbrauch verknüpft. In einem Erotik-Lexikon taucht der Begriff vor allem deshalb auf, weil das Tabu als Fantasie- und Rollenspiel-Motiv weit verbreitet ist — und genau diese Trennung zwischen Realität und Inszenierung ist der Kern dieses Eintrags.
Wortherkunft und rechtliche Einordnung
Der Ausdruck „Blutschande” setzt sich aus „Blut” (im Sinne von Blutsverwandtschaft) und „Schande” zusammen und transportiert damit schon im Namen ein Urteil. Über Jahrhunderte galt Sex zwischen Verwandten als schwere Sünde; kirchliche Eheverbote und weltliche Gesetze sollten ihn verhindern. Diese Aufladung erklärt, warum das Wort heute fast nur noch historisch, literarisch oder bewusst drastisch benutzt wird.
Rechtlich regelt in Deutschland § 173 StGB den „Beischlaf zwischen Verwandten”: Strafbar ist der vaginale Geschlechtsverkehr zwischen leiblichen Verwandten gerader Linie (etwa Eltern und Kindern, Großeltern und Enkeln) sowie zwischen leiblichen Geschwistern. Sobald Minderjährige, Abhängigkeit oder Zwang im Spiel sind, greifen zusätzlich die deutlich härteren Missbrauchstatbestände — das ist kein Graubereich, sondern klare Straftat. Ein Blick auf den inzwischen abgeschafften § 175 StGB zeigt, wie stark das Sexualstrafrecht von wechselnden Moralvorstellungen geprägt war; auch „Blutschande” ist so ein Begriff, der mehr über Wertungen seiner Zeit verrät als über Sexualität selbst.
Das Tabu als Fantasie-Motiv
In der Erotik begegnet dir das Thema fast ausschließlich als Inszenierung: das Reizvolle ist das Verbotene, nicht die reale Verwandtschaft. In der Pornografie hat sich dafür das „Step-Fantasy”-Genre etabliert (Stiefschwester, Stiefmutter und so weiter), in dem ausdrücklich nicht blutsverwandte, erwachsene Darsteller eine Tabu-Situation spielen. Für die meisten Menschen wirkt dabei der Gedanke „eigentlich dürften wir nicht” als Erregungsverstärker — ein klassisches Tabu-Spiel, vergleichbar mit anderen Rollen- und Machtfantasien.
Genau hier liegt die wichtigste Unterscheidung: Eine Fantasie über ein Tabu zu haben oder ein Szenario im Kopfkino, in Geschichten oder im einvernehmlichen Rollenspiel auszuleben, ist etwas grundlegend anderes als reale Handlungen mit echten Familienmitgliedern. Wer ein solches Skript reizvoll findet, ist deshalb weder kriminell noch „krank” — solange es bei der Inszenierung zwischen erwachsenen, nicht verwandten Partnern bleibt. Als ausgelebte Vorliebe funktioniert das Thema nach denselben Regeln wie jede andere Spielart auch.
Worauf es ankommt: Fiktion, Konsens und Sicherheit
Wenn ihr das Tabu als Paar oder mit Spielpartnern ausspielt, sorgen ein paar Grundsätze dafür, dass es heiß bleibt und niemand zu Schaden kommt:
- Nur Fiktion, nur Erwachsene: Reale Verwandtschaft und Minderjährige sind absolut tabu — gespielt wird ein Klischee, keine echte Familienkonstellation.
- Klarer Konsens vorab: Besprecht Rollen, Wörter und Grenzen, bevor es losgeht; begeisterte Zustimmung ist die Basis.
- Ein Safeword: Damit lässt sich die Szene jederzeit stoppen, ohne aus der Rolle zu fallen.
- Sprache als Werkzeug: Über Dirty Talk entsteht das Szenario fast vollständig im Kopf — das macht es intensiv und zugleich sicher steuerbar.
- Aftercare einplanen: Nach einem intensiven Tabu-Spiel tun Nähe, ein Gespräch und das bewusste Verlassen der Rolle gut.
Ein verbreitetes Missverständnis ist, eine solche Fantasie sage etwas über echte Wünsche gegenüber der eigenen Familie aus — das ist fast nie der Fall; gereizt wird der Tabubruch an sich, nicht eine konkrete Person. Wem das zu viel ist, der bleibt einfach im Vanilla-Bereich; niemand muss ein Tabu spielen, um eine erfüllte Sexualität zu haben.