Ankotzen
Erotische Spielart, bei der gezieltes Erbrechen auf oder über eine andere Person als lustvolles, meist erniedrigendes Element inszeniert wird.
Ankotzen beschreibt im sexuellen Kontext eine Spielart, bei der das gezielte Erbrechen — auf die Haut, in den Mund oder über den Körper einer anderen Person — bewusst als erotisches, oft erniedrigendes Element eingesetzt wird. Fachsprachlich ordnet man die Lust am Erbrochenen der Emetophilie zu (von griechisch emein, „erbrechen”); im englischsprachigen Raum kursiert dafür der Slang „Roman Shower”. Es handelt sich um einen ausgesprochenen Nischen-Fetisch, der fast immer in einem Spiel mit Macht, Kontrolle und Tabubruch verankert ist. Wie bei jeder intensiven Praktik gilt: Was zwischen erwachsenen, einvernehmlichen Menschen passiert, ist legitim — entscheidend sind Aufklärung, klare Absprache und Hygiene.
Bedeutung & Reiz
Der erotische Reiz speist sich selten aus dem Erbrochenen selbst, sondern aus dem, was es symbolisiert: völlige Hingabe, Kontrollverlust und das Überschreiten einer der stärksten kulturellen Ekelgrenzen. Genau dieser Tabubruch erzeugt bei manchen Menschen einen intensiven Kick. Eingebettet ist Ankotzen deshalb meist in ein BDSM-Setting mit klarem Machtgefälle: Die eine Seite gibt die Kontrolle über den eigenen Körper preis, die andere genießt die Demütigung oder die Geste der Unterwerfung. Für Außenstehende wirkt das befremdlich — psychologisch funktioniert es nach demselben Prinzip wie andere Erniedrigungsspiele, bei denen Scham bewusst in Erregung umgewandelt wird.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Krankheit: Das geübte, kontrollierte Auslösen eines Würgereizs (etwa beim tiefen Oralverkehr) hat nichts mit einer Essstörung wie Bulimie zu tun. Wer allerdings merkt, dass Erbrechen zwanghaft oder zur Gewichtskontrolle eingesetzt wird, sollte das ernst nehmen — das ist dann kein Spiel mehr, sondern ein Fall für ärztliche Hilfe.
Praxis — worauf es ankommt
Ankotzen gehört zu den körperlich heikleren Spielarten, weil Magensäure und Aspiration reale Risiken bergen. Deshalb steht Sicherheit vor Spontaneität. Vorher gehört alles besprochen: Wer macht was, wie weit geht es, und woran erkennt ihr, dass Schluss ist.
- Konsens & Safeword: Grenzen vorab klären und ein Safeword (oder bei vollem Mund ein eindeutiges Handzeichen) vereinbaren — Spiel sofort stoppen, wenn es fällt.
- Aspiration vermeiden: Niemals flach auf dem Rücken liegend; der Kopf gehört nach vorn oder zur Seite, damit nichts in die Atemwege gerät.
- Zähne & Schleimhäute schützen: Magensäure greift Zahnschmelz an — hinterher mit Wasser spülen, nicht sofort putzen; Augen und offene Wunden aussparen.
- Hygiene: Abwischbare Unterlage, Duschnähe, frisches Wasser bereithalten; Erbrochenes ist potenziell infektiös, also nicht ungeschützt mit fremden Partnern teilen.
- Nüchtern bleiben: Alkohol und Drogen erhöhen die Aspirationsgefahr und trüben das Urteil — Finger weg.
Genauso wichtig ist das Danach: Aftercare mit Wasser, Mundspülung, Wärme und ein paar liebevollen Worten fängt den emotionalen wie körperlichen Absturz auf. Begleitender Dirty Talk kann die Szene rahmen, ersetzt aber nie die nüchterne Absprache davor.
Einordnung & Missverständnisse
Ankotzen ist weit von Vanilla-Sex entfernt und bleibt selbst in der Kink-Szene eine Randerscheinung — wer es nicht reizvoll findet, verpasst nichts und ist alles andere als „verklemmt”. Ein häufiges Missverständnis: Ein solcher Fetisch sage etwas über die psychische Gesundheit aus. Tut er nicht — solange das Spiel auf Konsens beruht, sicher abläuft und reflektiert bleibt, ist es schlicht eine Geschmacksfrage. Wer neugierig ist, fängt klein an, redet offen und akzeptiert ein Nein ohne Diskussion.